Ratgeber · Material erkennen

Schwarzer Kleber unter Parkett: PAK erkennen, prüfen und richtig einordnen

Stand 07/2026Autor: Omed AkbarieLesezeit ca. 6 Minuten

Wer in einem Altbau Parkett aufnimmt, findet darunter oft eine schwarze, zähe Masse. Der erste Gedanke ist meist Asbest. Häufig ist es etwas anderes — oder beides. Dieser Text erklärt, was teerhaltiger Kleber ist, woran man ihn vermutet und wie man Gewissheit bekommt, ohne die Wohnung unbewohnbar zu machen.

Kurz gefasst

    Schwarzer, zäher Kleber unter altem Parkett stammt bis in die 1980er Jahre meist aus teerhaltigem Klebstoff und enthält dann PAK.

    Schwarzkleber unter Floor-Flex-Platten enthält häufig PAK und Asbest — wer nur auf einen Stoff prüft, prüft zu kurz.

    Ein Nachweis bedeutet nicht automatisch Rückbau. Teuer wird es erst, wenn der Estrich mit betroffen ist.

1 · Was PAK sind und warum sie im Kleber stecken

PAK steht für polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Sie entstehen bei der Verkokung von Steinkohle und finden sich deshalb überall dort, wo Steinkohlenteer verarbeitet wurde: in Klebstoffen, in Teerkork, in Teerpappen und in Abdichtungsanstrichen. Als Leitsubstanz für die Bewertung dient üblicherweise Benzo[a]pyren.

Im Wohnungsbau ist der klassische Fall der Parkett- oder Bodenkleber der Baujahre bis in die 1980er Jahre. Er wurde großflächig verwendet, weil er gut haftete und feuchtigkeitsdicht war. Aus demselben Grund ist er heute schwer zu entfernen.

Regelungstechnisch relevant sind zwei Dokumente: Die TRGS 551 behandelt teerhaltige Materialien und zieht die Grenze für besondere Schutzmaßnahmen bei 50 mg/kg Benzo[a]pyren. Die TRGS 524 in der Fassung von 07/2026 benennt Teerkleber, Teerkork, Teerpappen und teerhaltige Anstriche erstmals ausdrücklich als Gebäudeschadstoffe.

Quellen: TRGS 551 (PDF, BAuA) · TRGS 524 (PDF, BAuA) · BG BAU, Handlungsanleitung PAK-haltige Klebstoffe (PDF)

2 · Verdachtsmerkmale — und ihre Grenzen

Verdachtsmerkmale für teerhaltigen Kleber — Orientierung, kein Nachweis
MerkmalAussagekraft
Schwarze, zähe bis spröde Masse unter dem Belagstarkes Verdachtsmerkmal, aber nicht eindeutig
Teerartiger Geruch, verstärkt bei Wärmestarkes Verdachtsmerkmal
Baujahr des Bodenaufbaus vor Mitte der 1980ernotwendige, aber nicht hinreichende Bedingung
Stabparkett, Mosaikparkett oder Klebeparkett auf Estrichtypische Konstruktion für Teerkleber
Dunkle Verfärbung im Estrich unter dem KleberHinweis auf Eindringtiefe, relevant für den Rückbauumfang

Keines dieser Merkmale ersetzt eine Analyse. Es gab bitumenhaltige Kleber ohne relevanten PAK-Gehalt und schwarz eingefärbte Dispersionskleber, die harmlos sind. Umgekehrt gibt es unauffällig wirkende Kleber mit deutlichem Gehalt. Die Farbe entscheidet nicht, das Labor entscheidet.

3 · Der häufige Doppelfund: PAK und Asbest

Für die Praxis ist das der wichtigste Punkt des ganzen Themas: Schwarzkleber unter Floor-Flex-Platten enthält häufig PAK und Asbest. Das Bayerische Landesamt für Umwelt weist darauf hin, dass in diesem Fall Schutzmaßnahmen wie für schwach gebundene Asbestprodukte greifen.

Praktische Folge

Wenn der Bodenaufbau aus der Zeit vor 1993 stammt, werden beide Parameter aus derselben Probenahme untersucht. Zwei getrennte Begehungen für zwei Parameter sind vermeidbare Kosten — und der Bodenaufbau muss nur einmal geöffnet werden.

Quelle: LfU Bayern, Schadstoffratgeber Gebäuderückbau Nr. 428 (PDF)

4 · Wie geprüft wird

  1. Bauzeitliche Einordnung

    Baujahr, Umbauzeitpunkte, bekannte Sanierungen. Ein 1998 neu aufgebauter Boden in einem Haus von 1965 ist kein Verdachtsfall.

  2. Öffnung einer kleinen Fläche

    Eine Handfläche genügt in der Regel, um den Schichtaufbau zu sehen: Belag, Kleber, Estrich, gegebenenfalls Trittschall und Ausgleichsmasse.

  3. Probenahme über den gesamten Schichtaufbau

    Nicht nur der Kleber, sondern der Aufbau. Sonst fehlt später die Information, wie tief eingedrungen wurde und wie viel Estrich betroffen ist.

  4. Laboranalyse

    PAK-Bestimmung mit Benzo[a]pyren als Leitsubstanz, bei Bedarf gleichzeitig Asbestanalyse. Üblicherweise fünf Werktage.

  5. Bewertung und Mengenansatz

    Einstufung, betroffene Fläche, Eindringtiefe, Entsorgungsweg, Handlungsempfehlung.

Der Eingriff ist klein: Eine Öffnung in einer wenig sichtbaren Ecke, anschließend verschlossen. Ausziehen muss niemand.

5 · Was aus einem Befund folgt

Ein Nachweis bedeutet nicht automatisch Rückbau. Welcher Weg richtig ist, hängt vom Gehalt, vom Zustand, vom Aufbau und von der geplanten Nutzung ab. In der Praxis gibt es im Wesentlichen drei Wege — überdecken, teilweise oder vollständig zurückbauen. Welcher zulässig und sinnvoll ist, gehört in den Bericht und nicht in einen Ratgebertext.

Wichtig ist die Kostenlogik: Der Kleber ist selten das Teure. Teuer wird es, wenn der Estrich mit betroffen ist, weil dann der gesamte Bodenaufbau bis auf die Rohdecke geht. Genau deshalb wird bei der Probenahme der Schichtaufbau erfasst und nicht nur die schwarze Schicht.

6 · Was Sie besser nicht tun

    Nicht trocken schleifen, fräsen oder bürsten — das erzeugt genau die Staubbelastung, die vermieden werden soll

    Nicht mit Heißluft oder Brenner arbeiten — Wärme setzt teerhaltige Bestandteile frei

    Keinen Lösemittelversuch mit Haushaltsmitteln — das verteilt das Material und löst nichts

    Den Aushub nicht in den Hausmüll oder in einen Bauschuttcontainer geben, bevor die Einstufung feststeht

    Nicht auf gut Glück versiegeln, ohne den Aufbau zu kennen

Wir begutachten und wir bauen zurück. Wir sanieren nicht.

Asbest-, PAK- und KMF-Sanierung ist kein Leistungsbestandteil. Wenn ein Befund eine Sanierung erforderlich macht, benennen wir den Umfang im Bericht und Sie beauftragen dafür einen Fachbetrieb mit Sachkunde nach TRGS 519. Auf Wunsch stellen wir die Unterlagen ausschreibungsfähig zur Verfügung — die Auswahl des Betriebs bleibt bei Ihnen.

Zum Autor

Omed Akbarie ist Sachverständiger für Gebäudeschadstoffe mit Sitz in Fürth. Sachkunde nach TRGS 519 Anlage 3 sowie 4A/4B, Gerätefachkunde, Sachkunde PAK und KMF. Keine öffentliche Bestellung und Vereidigung. Qualifikationen im Einzelnen

Häufige Fragen

Zu PAK im Bodenkleber

Ist schwarzer Kleber immer PAK-haltig?

Nein. Schwarz ist ein Verdachtsmerkmal, kein Nachweis. Es gab auch bitumenhaltige Kleber ohne relevanten PAK-Gehalt sowie schwarz eingefärbte Dispersionskleber. Verbindlich ist ausschließlich die Laboranalyse.

Kann ich den Kleber einfach überdecken?

In manchen Fällen ist das eine zulässige Lösung, in anderen nicht — es hängt von Gehalt, Zustand, Aufbau und geplanter Nutzung ab. Pauschal lässt sich das nicht beantworten, und wer es pauschal beantwortet, kennt Ihr Objekt nicht.

Warum riecht der Boden, wenn die Sonne draufscheint?

Weil sich teerhaltige Bestandteile bei Erwärmung stärker ausgasen. Der typische teerartige Geruch tritt deshalb besonders in aufgeheizten Räumen, bei Fußbodenheizung oder beim Anschleifen auf. Das ist ein starkes Verdachtsmerkmal.

Muss ich gleichzeitig auf Asbest prüfen lassen?

In der Regel ja, wenn der Bodenaufbau aus der Zeit vor 1993 stammt. Schwarzkleber unter Floor-Flex-Platten enthält häufig beides. Das Bayerische Landesamt für Umwelt weist darauf hin, dass dann Schutzmaßnahmen wie für schwach gebundene Asbestprodukte greifen. Zwei Parameter aus einer Probenahme sind günstiger als zwei Begehungen.

Konkreter Verdacht?

Bodenaufbau prüfen lassen

PAK und Asbest aus einer Probenahme, mit Bewertung des gesamten Schichtaufbaus und Mengenansatz für den Fall eines Rückbaus.